Grappa und die Nackenbeißer
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17. Band der Grappa-Serie Erscheinungsdatum: Mai 2007 |
Spezialauftrag für Maria Grappa: Lilo von Berghofen, Deutschlands
berühmteste Kitschromanautorin, lässt sich in Bierstadt nieder und
die rothaarige Reporterin soll ein ausführliches Porträt über die
Literatin schreiben. Grappa geht nur mürrisch ans Werk, denn
Liebesromane hasst sie genauso wie Nikotinstäbe.
Doch dann wird ihr der Auftrag sympathisch, denn die große alte
Dame der Trivialliteratur liegt tot in ihrem Haus. Für die Polizei
deuten die Zeichen auf Selbstmord, immerhin gibt es einen
Abschiedsbrief. Maria Grappa dagegen tippt auf Mord. Hat ein
Sprachästhet zugeschlagen oder hängt die Tat mit Lilo von Berghofens
Aktivitäten in der Magierszene zusammen?
Während die Reporterin ermittelt, geschehen merkwürdige Dinge in
ihrem Leben: Mandelhörnchen verwandeln sich in weiße Mäuse, ein
schwarzer Rabe beschützt Grappa und der klebrige
Versicherungsvetreter von nebenan mutiert zum Adonis.
Bei einer Geisterbeschwörung im Haus der toten Autorin bekommt
die Reporterin ein Gefühl dafür, was die Wesen aus dem Jenseits auf
der Pfanne haben ...
Leseprobe:
Im Großraumbüro fehlte die vertraute Geräuschkulisse, die
Festnahme Jansens hatten Elan und Mitteilungsfreude gedämpft. Die
Kollegen, die noch nicht unterwegs waren, saßen vor ihren Rechnern
und starrten auf die Monitore. „Was ist denn hier los?“, fragte
ich in die Runde. „Macht euch keine Sorgen – das kommt schon in
Ordnung.“ „Hat sie wirklich ihr Testament geändert?“, fragte
Stella. „Scheint so“, meinte ich. „Erbt Jansen jetzt die zehn
Millionen?“ „Nicht, wenn er sie umgebracht hat“, meinte
Sara. „Jansen hat niemanden umgebracht“, motzte ich. “Und er wird
das auch beweisen können. Sein Anwalt ist gerade bei ihm, der haut
ihn da schon raus.“ „Wenn ich zehn Millionen hätte …“, meinte
Stella träumerisch. „Ich würde aufhören zu arbeiten.“ „Ich wusste
gar nicht, dass man mit etwas aufhören kann, mit dem man überhaupt
noch nicht angefangen hat“, sagte ich. Harras grinste. Stella zog
eine beleidigte Schnute und Sara kicherte. „Wie wär’s mit einem
schönen, starken Käffchen?“, fragte Harras in die Runde. Keine
der Damen fühlte sich angesprochen, beide wandten der Redaktionspost
zu. „Dein Charme hat sich schon abgenutzt“, konstatierte ich.
„Die Mädels parieren nicht mehr.“ Sara zischte und Stella warf
mir einen bösen Blick zu. „Dann koch ich eben den Kaffee“, tat
Harras kund. „Mir bricht kein Zacken aus der Krone, wenn ich mal
einen Knopf drücke.“ „Und ich opfere meine frischen
Mandelhörnchen“, versprach ich. Ich folgte Harras in die
Kaffeeküche. Die schmutzigen Tassen stapelten sich mal
wieder. „Ist dir schon mal aufgefallen, dass jeder über versiffte
Becher meckert, aber selbst nie spült?“, fragte ich. „Ich schon“,
sagte Harras und ließ heißes Wasser ins Becken laufen. Er weichte
die Becher-Kollektion ein und wandte sich dem Kaffeeautomaten zu.
„Mach ich das richtig?“, fragte er dann. „Süßer, wir sollten doch
heiraten“, meinte ich. „Du hast Fertigkeiten, die man sonst bei
Männern vergeblich sucht.“ „War das ein Antrag, Grappa?“, grinste
er. „Pass bloß auf, dass ich dich nicht beim Wort nehme. Dabei
kennst du meine erlauchtesten Kunststücke noch gar nicht.“ „Mach
mal eins vor.“ „Willst du das wirklich?“, meinte Harras mit
laszivem Ton und griff an seine Gürtelschnalle. „Nee, lass
stecken“, sagte ich schnell. „Und das meine ich
wörtlich.“ „Grappa-Baby! Du denkst immer nur an das Eine. Was ist
denn nun mit den Mandelhörnchen?“ Ich holte die Papiertüte aus
meiner Großraumtasche und suchte nach einem Teller. In dem
Augenblick kam Stella in die Küche: Harras wurde am Telefon
verlangt. Irgendein Bundesligaspieler verlangte den Kollegen
Sportredakteur zu sprechen. Er trottete hinter ihr her. „Lass
mir ein Hörnchen übrig“, sagte er, zur Tüte blickend. Ich
dekorierte die Teilchen auf zwei Tellern. Seit Jahren war ich den
Dingern verfallen und alle Menschen in meiner Umgebung wussten das.
Anneliese Schmitz hatte sie nur wegen mir in ihre Angebotspalette
aufgenommen und sorgte dafür, dass sie immer frisch, knackig und mit
Schokoladenenden versehen waren. Ich ließ das Wasser aus dem
Becken und spülte die Tassen ab. Ein leises Lachen in meinem Rücken
– ich erschrak und drehte mich um. Das Mädchen vom Rabenhügel
saß auf dem Küchenschrank. Es war genauso gekleidet wie gestern. Die
Kleine griff nach den Mandelhörnchen, erreichte sie aber nicht, denn
sie bewegten sich plötzlich und krochen auf der Ablage herum. Ich
sah genauer hin: Die Hörnchen hatten sich in weiße Mäuse
verwandelt! Entsetzt schloss ich die Augen. Nicht durchdrehen,
Grappa, dachte ich. Für jedes Phänomen auf dieser Erde gibt es eine
logische Erklärung. Auch für das, was sich gerade hier abspielte.
„Was ist denn los, Grappa?“, fragte Harras. Ich hatte ihn nicht
zurückkommen hören. „Du bist ja weiß wie die Wand.“ „Alles okay",
murmelte ich und blinzelte. Das Mädchen war verschwunden und die
beiden Hörnchen lagen unschuldig auf den Tellern. „Sieht nach
Unterzuckerung aus“, diagnostizierte Harras. „Beiß mal schnell vom
Hörnchen die Ecken ab.“ „Nee, lass mal.“ Meine Stimme war noch
etwas belegt. „Du kannst sie alle beide haben.“ „Was? Du
verschmähst die Teile? Dann bist du wirklich krank. Aber mir soll’s
recht sein.“ Mit schnellem Griff packte er einen Halbmond und
biss hinein. „Die Sache mit Jansen hat mich völlig aus der Bahn
geworfen“, murmelte ich. „Ich esse erst wieder Hörnchen, wenn Peter
frei ist.“ „Ob du das durchhältst?“, zweifelte er und schlug
seine Zähne erneut in die süße Mandelmasse. „Klar.“ „Großen
Indianerehrenwort?“ „Meinetwegen auch das“, meinte ich. „Hast du
eigentlich im den Flur ein kleines Mädchen gesehen? Schwarze Haare,
blaue Augen?“ „Was? Nee, da war niemand.“
Pressestimmen:
Freie Presse, Literaturbeilage, 2007
»"Mit Abstand die größte Klappe unter den ebenso scharfsinnigen wie couragierten
Detektivinnen hat Maria Grappa.
Hier gilt "nomen est omen", denn geistreich und scharf ist die (etwas andere)
Journalistin auf jeden Fall.
Wenn sie einen Mann will, kam sie smart sein, wenn es um ein Mandelhörnchen geht,
auch mal zum Tier werden.
Und wenn dann noch der Sex dazwischen kommt."«
Heidelberg aktuell, Juni 2007
»"Gewohnt kratzbürstig, selbstbewusst und zielstrebig lässt Gabriella Wollenhaupt
auch dieses Mal Grappa den Fall angehen.
Es ist eine wahre Freude sie in ihrer eigenen Art zwischen Magie und Liebesroman
rebellieren zu hören.
Kurzweilige Unterhaltung mit Kult-Faktor."«
Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), 23. Juni 2007
»"Wenn man so scheußliches Zeug schreibt wie die Kitschkönigin von Berghofen,
muss sie sich eigentlich nicht wundern, dass darauf irgendjemand die Todesstrafe aussetzt.
Grappa soll ein Porträt über sie schreiben, findet aber nur noch etwas für den Nekrolog.
Typischer Grappa in bewährter Manier und mit dem bekannten Humor.
Als Zugabe: Kluges über Dürer und schwarze Magie."«
Die linke Zürcher Zeitung, 7. Juni 2007
»"Schwarze Magie und Hexerei, oder leidet Grappa bloß an Unterzuckerung?
Die Frage bleibt offen,.
Die Lektüre ist vergnüglich."«
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