Grappa im Netz

14. Band der Grappa-Serie
Erscheinungsdatum: Mai 2003

Bierstadts Oberbürgermeister Jakob Nagel verschwindet im Jemen – vermutlich von fanatischen Islamisten entführt. Eigentlich eine Geschichte für Reporterin Maria Grappa. Aber sie hat keine Zeit, denn sie soll für einen neu gegründeten regionalen Fernsehsender eine Flirtshow konzipieren. Grappa verliert schnell den Spaß an der Sache, denn die Konversation in Chatrooms mit potenziellen Kandidaten wie Kuscheldino oder Schlüpferstürmer ist nicht immer besonders geistreich.

Für die flirtbereiten Männer scheint das Chatten mit Grappa sogar gefährlich zu sein – das behauptet zumindest Strammer Hengst, als bekannt wird, dass Schlüpferstürmer Opfer einer Mörderin geworden ist. Grappa glaubt an einen Zufall – bis sich die Pilotsendung der Show zu einer Horrorveranstaltung entwickelt.




Leseprobe:

Ich musste die Diskette in Sicherheit bringen und ich wusste auch schon, wie. Ich steckte sie in einen Umschlag, schrieb Tom Pinys Privatadresse drauf, verließ das Haus und ging zum Auto.
Als ich losfuhr, folgte mir eines jener unauffälligen Autos, die sonst im Polizeipräsidium auf dem Hof standen. Kaligula ließ mich also observieren! Wie, zum Teufel, sollte ich den Umschlag in den Briefkasten werfen, ohne dass mich jemand dabei beobachtete?
Ich dachte nach und mir kam eine brillante Idee. Kaligula würde es nicht einfach mit mir haben!
Zum Glück war in der Bäckerei Schmitz nicht viel los.
»Tach auch!«, sagte ich.
Es dauerte nicht lange, bis Anneliese Schmitz den letzten Kunden bedient hatte. »Wie isses?«, kam es prompt.
»Könnte besser sein.«
»Dachte ich mir.«
»Wieso?«
»Sie sehen nicht gut aus. Ärger mit dem Schwatten?«
»Nein. Der Kater ist brav. Ich hab die Bullen am Hals. Sehen Sie den Wagen da draußen?«
Die Bäckersfrau guckte unauffällig zur Straße.
»Was wollen die von Ihnen?«, flüsterte sie.
»Reine Schikane. Tun Sie mir einen Gefallen?«
»Klar.«
»Packen Sie mir vier Brötchen ein. Ich gebe Ihnen im Tausch einen Umschlag. Aber niemand darf das wissen. Würden Sie den für mich wegschicken? Ich muss mich wirklich drauf verlassen können. Es geht um Leben und Tod.«
»Mach ich!« In Anneliese Schmitz’ Blick glomm eiserne Entschlossenheit. »Niemand wird was merken. In echt!«
»Sie müssten aber noch eine Marke draufkleben!«
»Mach ich.«
»Ich hol jetzt mein Portmonee raus. Und Sie geben mir die Brötchen. Dann dreh ich mich so, dass uns keiner beobachten kann.«
Mit fliegenden Fingern griff die Bäckersfrau nach dem Umschlag und versenkte ihn im Ausschnitt ihres weißen Kittels.
»Geht heute noch raus!«, versprach sie. »Können sich drauf verlassen.«
»Danke«, lächelte ich. »Was sollte ich nur machen ohne Sie?«
»Nun machense mal halblang, Frau Grappa! Is doch eine Sache der Ehre!«
Mit der Brötchentüte in der Hand verließ ich die Bäckerei, meine Verfolger ignorierend.