Grappa und die Seelenfänger
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21. Band der Grappa-Serie Erscheinungsdatum: Mai 2011 |
Kurztext:
"Grappa und die Seelenfänger"
Die Macher der Talent-Show „Wir suchen Dich, Superstar“ (WSDS) veranstalten ein großes Casting mit 3000 Kandidaten in Bierstadt. Sponsor ist das „Bierstädter Tageblatt“ und der neue Chefredakteur drückt ausgerechnet Maria Grappa das Thema aufs Auge. Er will das „Tageblatt“ familienfreundlicher machen und weg von den Krawall-Geschichten.
Die rothaarige Polizeireporterin hat wenig Lust, sich mit durch geknallten Teenies abzugeben. Doch dann kommt doch noch Spannung in die Sache: Nach dem ersten Durchgang verschwindet Pit Brett, Musikproduzent und Jury-Chef, spurlos. In einem Bekennerbrief übernimmt die „Kirche der Erleuchteten“ die Verantwortung. Doch es gibt keine Forderungen.
Die Entführung wird vertuscht, um die bereits geplanten Sendungen nicht zu gefährden. Grappa schleicht sich in die Sekte ein. Zunächst ist sie fasziniert vom religiösen Ansatz der Kirche, die die geistigen Kräfte jedes Menschen befreien und positiv für die Allgemeinheit einsetzen will. Grappa bekommt eine geistige Führerin zugeteilt: Es ist Katja Weber, die zum mittleren Management der „Erleuchteten“ gehört.
Dann wird Pitt Brett völlig verwirrt an einer Autobahnraststätte aufgefunden. Er kann sich an nichts erinnern. Gehirnwäsche? Er faselt etwas von einem „geheimen Garten“ der Erleuchtung und Glückseligkeit. Seine Persönlichkeit scheint völlig verändert – zum Positiven. Das zeigt sich auch in der Casting-Show. Brett hat seinen Zynismus verloren. Die Einschaltquote der Show halbiert sich.
Grappa wird Katja Weber nicht mehr los. Sie hat die Sekte verlassen und behauptet, dass ihr kleiner Sohn von der Sekte in den „geheimen Garten“ verschleppt wurde. Grappas Recherchen ergeben jedoch, dass die Frau nie ein Kind hatte.
Katja wird ermordet. Ein Sektenmitglied gesteht die Tat. Die Polizei schließt den Fall. Doch Grappa geht der „geheime Garten“ nicht mehr aus dem Kopf. Und als sie ihn schließlich entdeckt, ist sie vor Entsetzen wie gelähmt.
Leseprobe aus: „Grappa und die Seelenfänger“
Für die Show war ein Pressezentrum eingerichtet worden. Dort hatten sich zahlreiche Kollegen versammelt. Das Live-Casting würde über einen riesigen Monitor hierher übertragen werden.
Ich war sauer, denn mit der Freizügigkeit war es vorbei. Vor einer Woche noch hatte ich mich ungehindert im VIP-Bereich bewegen können, doch heute musste ich wie alle Journalisten in diesem Raum bleiben.
»Was soll ich hier fotografieren?«, maulte Wayne. »Die Kollegen von der Konkurrenz?«
»Warte es ab. War doch klar, dass heute Großkampftag für die Sicherheitsleute ist.«
»Ich will hier raus.«
»Dann viel Erfolg«, meinte ich. »Warst du schon mal vor der Tür und hast dir die netten Jungs angeschaut, die uns bewachen?«
Draußen befanden sich bullige Kerle von einer Securityfirma, gegen die Inkasso Moskau ein Tanzstundenunternehmen war.
»Ich bleib dann doch lieber hier«, winkte Wayne frustriert ab.
Die Sendung begann. Der Jingle lief und schon richteten sich die Kameras auf die Jury. Eine Stimme aus dem Off nannte die Namen: »… und auch wieder bei uns: Pitt Brett, der Pop-Titan! Drei Tage lang in der Hand von Verbrechern und nun wieder auf der Showbühne: Brett, Brett, Brett …«
Das Publikum stimmte ein: »Brett, Brett, Brett …«
Applaus brandete auf. Brett erhob sich, winkte wie ein amerikanischer Präsident und grinste über alle Backen.
Mit einer Geste dämpfte er den Applaus. »Ihr habt mich wieder!«, rief er. »Ihr, mein treues Publikum, und auch ihr, meine Kandidaten. Ich will weiterhin euren Träumen und Tränen ein Zuhause geben!«
Tosender Beifall. Und schon folgte die erste Werbestrecke. Asiatischer Magentee, Bier aus dem Sauerland, deutsche Würstchen, Steinofenpizza und Speed-Flirt-Dating.
Der erste Kandidat. Glasbausteine vor den Augen, eine Jeans mit Löchern und ein Hüftschwung wie der selige Michael Jackson.
»Hallo, ich bin der Dennis aus Karlsruhe. Ich singe von Xaver Nadann Dieser Tag.«
»Wie lange singst du schon?«, lächelte Brett.
»Seit sechs Wochen.«
»Und was machst du sonst so?«
»Ich habe einen Job in einem Garten-Center.«
Brett lächelte verschmitzt – vermutlich befand er sich im Landeanflug auf den ersten Hammerspruch.
»Wie wundervoll«, sagte der Juror dann freundlich. »Blumen sind so etwas Zartes und Sanftes.«
Wayne und ich schauten uns an. Irgendetwas lief schief.
Auch Dennis aus Karlsruhe war verunsichert. »Soll ich jetzt singen?«, fragte er.
»Ja, mach mal.«
Dieser Tag wird kein heller sein, / dieser Tag wird kurz und leer. / Du wirst meine Liebe sein / denn nur Freundschaft ist mir zu schwer…
»So ein schwachsinniger Text«, meinte ich. »Und der singt wie eine rostige Nähmaschine! Brett macht den gleich alle.«
»Aber er lächelt so selig«, wunderte sich Pöppelbaum. »Guck mal!«
Tatsächlich. Der Pop-Titan schien vom Gesang des Kandidaten angetan.
»Du singst das besser als Xaver Nadann.« Brett hielt den Recall-Zettel hoch. »Du hast ein Ja. Auch von den anderen, oder?«
Er schaute seine beiden Mitjuroren an. Elizabetha Lazeira und Danny Forehead wirkten wie vom Donner gerührt, widersprachen aber nicht.
Dennis aus Karlsruhe grapschte nach dem Zettel, der ihn eine Runde weiterbrachte, und verschwand jubelnd aus dem Raum.
Im Pressezentrum wurde es unruhig.
»Ich brech zusammen. Brett hat Kreide gefressen.«
»Oder er erlaubt sich einen Superspaß«, warf Wayne ein. »Das Publikum jedenfalls weiß noch nicht, was es davon halten soll.«
Pfiffe und Applaus hielten sich die Waage.
Brett sprang von seinem Jurysessel auf. »Jeder Mensch hat eine unsterbliche Seele, die sich nach Befreiung sehnt«, rief er ins Publikum. »Befreit eure Seelen und ihr werdet glücklich sein!«
Das Bild auf dem Monitor wackelte und fiel ins Schwarze. Neue Werbeeinblendung. Versicherung mit Herz, Supersanfte Tampons, Kalktabletten für die Waschmaschine und Saugwunder, die Küchenrolle, die alles schluckt.
Die Show ging weiter. Die nächste Sängerin war dunkelhäutig und ging bauchfrei.
»Ich heiße Samira und sing einen Song von Whitney Houston. One moment in time.«
»Das ist ein sehr schwieriges Lied«, stellte Pitt Brett fest. »Aber du kannst das bestimmt gut. Dann fang mal an, Kleine. «
Itsch dei Ei lif / Ei wonnt tu bi, / e day tu giff / se best off mi, / Eim only wan / bat not älon, / mei feinest dey / iss jet announ, / Ei brok mei hart / for evry gain, / tu täst se swiet / Ei faist se peyn, / Ei reis änt foll / jet sru it oll, / sis matsch rimäins, / Ei wont wan moment in teim …
Wayne griff sich an den Kopf. »Ich glaub, die Maus hat größere Probleme als das Singen. Und bewegen kann sie sich auch nicht. Was machen wir eigentlich hier, Grappa-Baby? «
»Das frag ich mich auch«, seufzte ich.
Die Jury hatte das Wort. Diesmal hatte Elizabetha Lazeira die erste Beurteilung abzugeben.
»Das war nicht gut. Du kannst nicht singen und nicht performen. Dein Englisch ist grauenhaft. Von mir hast du ein klares Nein.«
Danny Forehead schloss sich an. »Das war nichts. Such dir lieber einen anderen Beruf. Eine Sängerin wirst du nie. Von mir auch ein Nein.«
Die Kameras schwenkten zu Brett. Der hatte den Kopf in die Hände gestützt.
»Ich liebe diesen Song«, säuselte der Pop-Titan. »Und ich habe ihn niemals besser gehört. Whitney Houston ist eine alte, drogensüchtige Krähe gegen dich. Für mich bist du weiter.«
Er reichte der Kandidatin den Recall-Zettel.
Rumms. Schwarzbild. Lauftext: Bild- und Tonstörung – Unsere Techniker arbeiten fieberhaft an der Behebung des Problems.
»Na, also«, meinte ich zufrieden. »Da haben wir ja unseren Skandal. Der Pop-Titan ist weichgespült. Möchte wirklich wissen, wer hinter diesem Coup steckt.«
Kritiken aus: „Grappa und die Seelenfänger“
In „Grappa und die Seelenfänger“ zeichnet Gabriella Wollenhaupt Parallelen von klassischen und modernen Formen des Menschenfischens auf. Wie alle ihre Grappa-Krimis ist auch der neue Band spannend und humorvoll zugleich. Ja, der Leser muss immer wieder schmunzeln, zum Beispiel dann, wenn die Autorin eine – natürlich von ihr frei erfundene Zeitungsüberschrift wie diese zitiert: „Gehirnwäsche brutal – Brett bohrt dünne Bohlen“. Ob das Buch wohl auch in Tötensen gelesen wird?
„Grappa und die Seelenfänger“ ist viel mehr als ein Kriminalroman. Er ist Krimi, Humor, Gefahrenwarnung in einem. Ein geniales Buch!
Marcel Maak im Winsener Anzeiger“ September 2011-10-02
Also, um es kurz zu machen: in einem Zug durchgelesen. Gabriella Wollenhaupt hat wieder mal einen rasanten Krimi über Maria Grappa geschrieben, den man nicht so schnell aus der Hand legt. Bei den Ermittlungen in Bierstadt, unschwer als Dortmund zu erkennen, ist auch bei der Casting-Show WSDS und über ihren Jury-Vorsitzenden Pitt Brett, der „nicht alle Bohlen am Zaun hat“ (!!) hat man manchmal wahre Lachanfälle wegen der guten Einfälle auszuhalten. Kurz danach ist man wieder durch Kinderleichenfunde unter Engelsfiguren gegruselt. Sogar die Copy-and-Paste-Affäre des ehemaligen Verteidigungsministers wird eingebaut. Aktueller geht’s kaum. Letztendlich: Spannender und durchaus erheiternder Lesestoff in einem mal wieder typischen Grappa- und Bierstadt-Roman.
Buchtipp „Briefmarken-Hammer“ Herbst 2011
Wer kurzweilige Frauenkrimis mag und über gewitzte Parodien auf das ach-so-glamouröse Fernseh-Showbiz schmunzeln kann, ist bei „Grappa und die Seelenfänger“ von Gabriella Wollenhaupt genau richtig…
Wer sich hinter Pitt Brett und seiner Show mit den unbegnadeten Sängern verbirgt, muss wohl nicht weiter erwähnt werden. Mit ihrem bewährt spritzig-schnodderigen Ton und einer überaus rasanten Story unterhält uns Gabriella Wollenhaupt in „Grappa und die Seelenfänger“ aufs Beste. Sie lässt ihre ebenso kratzbürstige wie schlagfertige Heldin Maria Grappa zur Hochform auflaufen, bis sie nicht nur ihren zunächst wenig überzeugten neuen Chef auf ihre Seite ziehen, sondern auch die Beziehung zu Hauptkommissar Friedemann Kleist in interessante Bahnen lenken kann. Wer kurzweilige Frauenkrimis mag und über gewitzte Parodien auf das ach-so-glamouröse Fernseh-Showbiz schmunzeln kann, ist hier genau richtig.
Rezension von Silke Schröder bei „amazon“
Ich wage es kaum zu gestehen, aber das war der erste Band aus dieser Reihe, den ich gelesen habe. Aber trotz Späteinstieg hatte ich keine Probleme, in das Universum der Maria Grappa einzusteigen.
Ich war begeistert von diesem hochaktuellen und dabei witzigen Krimi. Wer hinter Pitt Brett, der „alle Bohlen im Zaun hat“, und der „Kirche der Erleuchteten“ steckt, ist natürlich klar, und die Art, wie beides auf den Arm genommen wird, ist einfach herrlich. Auch von Guttenberg kriegt nebenbei sein Fett ab.
Die nächsten Bände dieser Serie werde ich mir jedenfalls nicht entgehen lassen.
Gospelsinger bei „amazon“
Gabriella Wollenhaupt ist Journalistin. Sie arbeitete bei einer großen westdeutschen Tageszeitung und ist jetzt Redakteurin beim WDR Fernsehen in Dortmund. 1993 schuf sie für ihren Krimi "Grappas Versuchung" die Lokaljournalistin Maria Grappa, die in "Bierstadt" lebt und arbeitet - was man leicht als Dortmund erkennen kann. Inzwischen sind rund 20 Grappa-Krimis erschienen - in denen sich Gabriella Wollenhaupt spannend und meist auch ein wenig satirisch oder ironisch überhöht mit
Zeitphänomenen und ganz besonders mit lokalpolitischen Affären beschäftigt. Im Mittelpunkt ihres aktuellen Romans "Grappa und die Seelenfänger" steht der Casting-Show-Wahnsinn. Die bekannte Castingshow "Wir suchen Dich, Superstar" (WSDS) veranstaltet eines ihrer Castings in Bierstadt. Sponsor der Veranstaltung, zu der 3000 Teenies kommen, ist das Bierstädter Tageblatt, für das Maria Grappa arbeitet. Die Veranstaltung verläuft anders als geplant, denn der ebenso geschätzte wie auch von anderen verachtete Boss der Show-Jury wird gekidnappt. Die
Verantwortung übernimmt eine "Kirche der Erleuchteten", eine aus den USA stammende, straff organisierte Sekte. Grund genug für Maria Grappa, die Spur aufzunehmen und ihre Nase in Dinge zu stecken, die manche Leute gern unter der Decke halten würden. Spannend, witzig, einfach Grappa.
Reinhard Jahn am 27.8.2011 in „WDR 5 Die telefonische Mordsberatung“
Bierstadt steht Kopf: Die Talentshow: „Wir suchen dich, Superstar“ ist zu Gast und veranstaltet ein großes Casting. Polizeireporterin Maria Grappa ist allerdings wenig begeistert. Ihr neuer Chef hat ausgerechnet sie auserkoren, über die Veranstaltung zu berichten. Lieber würde sie den Machenschaften der „Kirche der Erleuchteten“, die vor den Toren der Redaktion ihren Werbestand aufgebaut haben, auf den Zahn fühlen. Als jedoch Pitt Brett, der unsympathische Chefjuror von WSDS, entführt wird, findet Grappa schlagartig auch die Show äußerst spannend.
Wie die Autorin dafür sorgt, dass ihre Figur sich wandeln kann ... und sich zugleich treu bleibt - wach, helle, aufmerksam, sich nie einlullen lassend und ebenso denk- wie wortgewandt -, fasziniert immer aufs Neue und lässt Grappa-Krimis nie langweilig werden.
Nordkurier
Dieser widerborstigen Titelheldin gönnen Leser jedes leckere Mandelhörnchen.
Stadtspiegel Recklinghausen
Im 21. Band der Grappa-Reihe bekommen Dieter Bohlen, die Sendung DSDS, Scientology und auf S. 196 ein ehemaliger Verteidigungsminister auf gewohnt schnoddrige Art und Weise ihr Fett weg ... unterhaltsam, lakonisch und witzig.
ekz-Informationsdienst
Die neue Grappa. Diesmal ermittelt sie in einem Geflecht aus Sekten und Fernsehshow, das doch ziemlich an Scientology und DSDS erinnert. Und da auch dieser Grappa-Krimi sehr aktuell ist, bekommt auch der Ex-Doktor und Ex-Verteidigungsminister in einem Nebensatz sein Fett weg.
Für alle Freunde und Gegner von Dieter Bohlen.
lovelybooks.de
Bereits mehr als 20-mal hat die Journalistin und Autorin Gabriella Wollenhaupt ihre Heldin und Kollegin Maria Grappa Kriminalfälle recherchieren lassen und jeder Grappa-Roman ist ein wahrer Genuss. Die einzigartige Mischung aus Witz und Spannung, eine Hauptfigur, die man gerade wegen ihrer Eigenheiten einfach lieben muss, und die gelungene Themenwahl machen die Grappa-Romane fast zur Pflichtlektüre. Für mich sind sie es. … Dieser Grappa-Roman ist nicht nur eine tolle Urlaubslektüre, sondern kann zu jeder Tages- und Nachtzeit begeistern. Wer mit diesem Roman das erste Mal Grappa, Bierstadt und das Tageblatt kennenlernt, sollte sich auch die vorherigen Bände nicht entgehen lassen. Die Autorin versteht es, bei jedem Band einen Einstieg in die Serie zu ermöglichen, auch wenn es einen roten Faden durch alle Bände und eine klare Entwicklung bei den Hauptfiguren gibt. Wer nach diesem neuen Band zu Band 1 wechselt, um Maria Grappa von Anfang an begleiten zu können, sollte Grappa und die Seelenfänger gleich nochmals lesen, wenn der Band wieder an der Reihe ist, es lohnt sich. Mich jedenfalls hat Maria Grappa und ihre Schöpferin Gabriella Wollenhaupt gefangen, nicht erst mit den "Seelenfängern".
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